Sprecher

Kleines berufliches Resümee
Nach mehr als fünf Jahrzehnten Mikrofonerfahrung, arbeite ich vorwiegend als Sprecher und antworte gelegentlich jüngeren Kollegen auf die Frage nach dem Warum, dass sich dies aus den ersten Anfängen so ergeben hat. Eigentlich ohne Absicht und beinahe ohne mein Zutun. Von disziplinierter Arbeit mal abgesehen ...

Mitte der neunziger Jahre begann ich mit der Ausbildung meiner Singstimme. Zwar hatte ich schon in Musicals gesungen und zudem zuvor mehrfach Menschen getroffen, die meinten, eine Gesangsausbildung würde sich lohnen. Doch die Zeit, eine Sängerkarriere einzuschlagen, wenn meine Stimme denn dafür gereicht hätte, war Anfang fünfzig eindeutig abgelaufen, aber egal: in der amerikanischen Sängerin Lynn Melton fand ich eine wunderbare Lehrerin, die mich im Laufe der Jahre in die Grundlagen des klassischen Gesangs einführte. Ich sage bewusst Grundlagen, denn als professionellen Sänger möchte ich mich nicht bezeichnen. Oder etwa doch? Die Aufnahmen aus 1973 klingen eigentlich nicht unprofessionell. Aber hier wie überall sind Grenzen und Übergänge ja fließend ...

2002 traf ich den jungen russischen Pianisten Roman Nedzvetskyy, mit dem ich klassische Lieder, Musical- und Popsongs einstudierte. Diese Arbeit mündete in mein erstes musikalisches Soloprogramm „I am what I am“, das ich an zwei denkwürdigen Abenden Anfang 2003 in einer Kölner Ballettschule aus der Taufe hob.

Nach zwanzig Jahren freiberuflicher Tätigkeit als Sprecher und Schauspieler für den WDR, DLF und andere Rundfunkanstalten blieben Mitte der Neunziger Jahre die Angebote zu meinem Bedauern aus. Stattdessen wurde ich seit 1995 von den neuen Kölner Privatsendern als Sprecher verpflichtet. Und weiterhin erhielt ich immer wieder lukrative Aufträge aus der Werbung. Hinzu kam die Aufgabe als deutsche Stationvoice des Fernsehprogramms der Deutschen Welle DW-tv, das weltweit über Satellit ausgestrahlt wird. Eine anspruchsvolle Aufgabe, der ich sehr gern nachgekommen bin, bis nach 13 Jahren 2012 der fällige Generationswechsel erfolgte und eine neue Stimme an meine Stelle trat ...

Anfang 2006 folgte der Erzähler in der Kindermusical – CD „Gestatten, Froschkönig“, und mit der schönen beruflichen Herausforderung, Lena Kuglers Kinderbuch „Bo im wilden Land“ einzusprechen, ging das Jahr 2006 zuende. Neben bread and butter des Tagesgeschäfts folgte 2008 wieder ein künstlerischer Leckerbissen: in der CD – Produktion „Frankenstein– Mythos und Wahrheit“ gab ich dem unglücklichen Monster meine Stimme. Zwei Jahre später wurde ich vom selben Label (Stimmbuch) für eine weitere Rolle aus dem Gruselkabinett engagiert als Graf Dracula.

Ein weiteres künstlerische Highlight meines Berufslebens ist meine Mitwirkung als Erzähler in der beliebten CD – Kindermusicalserie „Ritter Rost“ geworden. 2019 ist die achtzehnte Folge dieser preisgekrönten Produktion des Duos Jörg Hilbert (Text und Illustration) und Felix Janosa (Musik) erschienen. Über 25 Jahre sind seit dem ersten Band vergangen und es sind immer noch weitere geplant. Ein Vergnügen und eine Ehre für mich und ein Stück Leben ...

Übrigens bin ich selbst zum Produzenten geworden und habe 2008 meine erste eigene CD – Produktion beendet. Es ist die Rede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika von 1854. Die historisch verbürgte Rede ist die Antwort des roten Häuptlings auf die Forderung des weißen Präsidenten, Indianerland zu kaufen und die Indianer in Reservate umzusiedeln. In archaisch-mythischer Sprache entwickelt der Indianer eine prophetische Vision, die auch nach anderthalb Jahrhunderten nichts von ihrer eindringlichen, beklemmenden Kraft verloren hat und deren tiefe Wahrheit sich gerade heute mehr und mehr offenbart. Auch mein nächstes großes Projekt Platons „Apologie des Sokrates“ ist im Sommer 2016 nach einjähriger Arbeit fertig geworden und steht ebenfalls im Netz. Auch sie ist kostenfrei zugänglich und wie bei den Gedichten wird nur für den Download eine geringe Gebühr erhoben.

Mein mit Abstand größtes künstlerisches Pojekt ist jedoch die AudioAnthologie Deutsche Lyrik geworden, das ich seit 2001 hartnäckig – oder sage ich besser geduldig – verfolge: mein Lieblings- Projekt Deutsche Lyrik, eine persönliche Auswahl von mir gesprochener deutscher Gedichte aus dem literarischen Fundus der vergangenen acht Jahrhunderte.

Elf Jahre später ist sie auf über 400 Gedichte angewachsen und wird mittlerweile täglich von etwa fünfhundert an Lyrik interessierten Menschen besucht. Dies Projekt macht mir weiterhin große Freude und ist nach wie vor, wie es mit Projekten so geht, im permanenten Aufbau, Ausbau und Wachstum begriffen. Fertig werden ausgeschlossen ...

Die Zeit vergeht, die zwei vorangehenden Absätze stammen aus dem Jahre 2012, fünf Jahre später ist aus meinem Projekt ein Werk geworden. 2017 umfasst es über 1000 deutsche Gedichte von 94 deutschen DichterInnen und nur zwei Jahre später ist es auf 1300 gesprochene Gedichte von 110 AutorInnen angewachsen. Zudem sind andere Gedichte und Texte von ausländischen Autoren, die ich hier und da gesprochen habe, in einer eigenen Abteilung Schatzkiste dazugekommen, auch nicht-lyrische Texte in loser, zufälliger Reihenfolge. Und meine eigenen Gedichte ...

Und täglich kommen mehrere tausend Menschen, auch aus vielen anderen Ländern, und hören mir zu.


Häuptling Seattle
Apologie des Sokrates


Weitere Projekte in Vorbereitung:

Twain: Tagebuch von Adam und Eva
Eichendorff: Taugenichts

Just wait and – listen!